Es war wieder mal so weit. Wohnung aufräumen, Esstisch ausziehen, Kochen. Geburtstage werden in meinem Alter nicht mehr groß gefeiert, wenige Freunde und die Familie. Man sieht sich, wozu nicht so oft Gelegenheit ist, man hat mal Zeit zum Schwatzen.
Ja klar, jeder hatte auch etwas zum Auswickeln mitgebracht. Da ich bekanntermaßen eine riesige DDR-Sammlung bearbeite, musste es natürlich auch etwas “Ostalgisches” sein – eine Minikittelschürze, eine Seife, eine hübsch verpackte “Vereinigungsfrucht” und, nach erstem Eindruck (Form, Größe, Haptik) ganz klar, eine Nährstange aus Tangermünde.
Die hat mich besonders gefreut. Als ich das Geschenkpapier andächtig, so was passiert bei mir immer andächtig, sprich vorsichtig, vielleicht kann man das hübsche Papier ja noch brauchen, auspackte, hatte ich den Geschmack schon auf der Zunge - süß, etwas mächtig, ein klein wenig in Richtung Halva, allerdings auch etwas mit “Sand” versetzt.

... so kann man sich irren
Als die Verpackung endgültig fiel, hatte das Ding zumindest optisch ein neues Gesicht. Nährstange?
Nein, auch in Tangermünde ist man modern “TANOLO”. – Na doll!
Eine Woche später hab ich dann mal gekostet. Ich war mir sicher. Ich wusste zumindest noch genau, wie Nährstange schmecken müsste. Kleingedruckt stand allerdings drauf: “Nougat-Riegel mit feiner weißer Schokolade überzogen”. Ich hätte gewarnt sein müssen – nix mit Nährstange.
Ich liebe Nougat, richtiges Nougat. Aber was ich hier vorsichtig mit geschlossenen Augen verkostete, hatte weder mit Nougat, noch mit einer Nährstange etwas zu tun. Und der schmierig-gelbe Überzug sorgte dafür, dass man das Ding nicht in die Hand nehmen konnte.
Muss das denn wirklich sein?
Erst wird die Rezeptur meiner geliebten Delitzscher Hallorgenkugeln dem Nachwendegesamtdeutschlandseinheitsgeschmack angepasst – zwar mit richtiger Schokolade, wir ham’s ja nun, aber von einer alles überdeckenden Süße, dass mir meine Kindheit mit einem Schlag abhanden kommt. Und nun ist auch die Nährstange keine mehr. Hätten die nicht wenigstens eine andere Größe und Form nehmen können, damit man gar nicht erst auf dumme Gedanken kommt?
Trotzdem war es ein netter Abend, auch wenn die extra am Vortag aus meiner alten Heimatstadt Meißen angekarrte sächsische Eierschecke aus der Konditorei Schreiber (dort hatte ich vor 50 Jahren mein Taschengeld regelmäßig in Erdbeereis angelegt) auch nicht mehr das war, was sie mal war.
Sybille S.
Nachtrag: Inzwischen habe ich herausgefunden, dass es die alte Nährstange wohl doch noch gibt. Ich bin gespannt, ob sich deren Geschmack erhalten hat.
Tags: Eierschecke, Familie, Freunde, Geburtstage, Nährstange
Also da kann ich echt nur sagen.. Wer lesen kann ist klar im Vorteil!
Auf der Tanolo-Stange steht nichts von Nährstange drauf. Also darf man da auch nicht diesen Geschmack erwarten.
Lediglich der Hersteller ist der selbe.
Man kann diesem doch wirklich keinen Vorwurf machen wenn er seine Produktpalette erweitert!
Bin selbst ein großer Fan der Nährstange und mir schmeckt sie nach wie vor sehr gut.
Wenn man sich mit der Gechichte der Nährstange beschäftigt, findet man sogar heraus, dass sich die Qualität der Nährstange von den Inhaltsstoffen sogar verbessert hat.
hallo Milka,
wo du recht hast, haste recht.
Das Ding war eingewickelt und ich hatte mich beim Fühlen in Vorfreude schon zu sehr auf Nährstange eingeschossen. – Um so heftiger die Enttäuschung und die Reaktion. Es war einfach keine, schon klar.
Ich hoffe, die haben nicht zu viel an den Inhaltsstoffen der Nährstange “verbessert”. Ich will den Geschmack schließlich wiedererkennen.
Grüße Sybille