Was für ein wunderbarer Titel, dachte ich, als ich das Buch – noch unveröffentlicht als Belegexemplar – in den Händen hielt. Poetisch, zwingend, mich an so geniale und anrührende Bücher erinnernd wie „Die Erde dreht sich zärtlich, Companera“ von Omar Cabezas.
Und dann die Enttäuschung. Mein Herz musste nicht festgehalten werden, nicht bereitstehen. Im Gegenteil, zur Mitte dieser 272 Seiten verabschiedete es sich. Es konnte anderweitig beschäftigt werden. Ich kann nicht verstehen, dass es in dieser Familie so fade, so zeitungsnüchtern zuging, wie der Enkel Maxim Leo es mich glauben machen will. Oder liegt es nur daran, dass die Reportagearbeit für die Berliner Zeitung so abgefärbt hat? Keiner der benannten Konflikte zwischen dem Großvater mit der spannenden Lebensgeschichte als Resistance-Kämpfer, als Spion und Journalist und seiner Tochter oder dem Enkel interessiert mich wirklich, denn ich erlebe sie nicht. Alles wirkt zweidimensional. Schade. Ich hätte gern mehr gelitten, gestritten, gelacht mit diesen Menschen.
Es ist eine Bestandsaufnahme. Nicht mehr – nicht weniger.
Aber bitte, bilde sich jeder selbst ein Urteil – und wer weiß, vielleicht hat ja der- oder diejenige ganz andere Einsichten – und kommentiert meine Zeilen. Ich freue mich drauf.
Weitere Rezension: Deutschlandradio Kultur
Tags: Berliner Zeitung, Bestandsaufnahme, Enkel, fade, Lebensgeschichte, Maxim Leo, Nachwendejahre, Omar Cabezas, Resistance, Spion, zeitungsnüchtern