Größe 169 cm, Augenfarbe blau. Neben dem Namen, Geburtstag, Geburtsort und Anschrift enthält der Personalausweis keine weiteren Angaben zur Person. Wenn es nicht vielleicht noch einen Nummerncode für Eingeweihte gibt, ist der Ausweis unisex.
Es ist also alles in Butter? Und Alice Schwarzer hat Recht, wenn sie sagt: “Schaffen wir ihn also endlich ab, diesen gönnerhaften 8. März! Und machen wir aus dem einen Frauentag im Jahr 365 Tage für Menschen, Frauen wie Männer”?
1910, als mit Clara Zetkin 45.000 Frauen auf die Straße gingen, um für Gleichberechtigung zu kämpfen, war das ja noch etwas anderes. Da aber seit 1984 sogar in Liechtenstein und seit 1990 selbst im letzten Schweizer Kanton Frauen stimmberechtigt sind, könnte man sich doch nun eigentlich gemütlich zurücklehnen und so tun, als lebe man im 21. Jahrhundert und alle Menschen wären gleich.
Aber nun schlägt das Pendel in die andere Richtung aus. Im wahren Leben ist Unisex nicht angesagt. Mann sieht es überdeutlich, heute sind Frauen ganz klar im Vorteil. Sie werden versorgt und gehätschelt. Abgehetzte und frühzeitig vom Herzinfarkt bedrohte Ernährer kümmern sich rührend um all ihre Bedürfnisse, windeln und füttern die Nachzucht und vergessen selbstverständlich weder Hochzeits- noch Muttertag, während die so Verwöhnte nichts besseres zu tun hat, als auf dem Weg zur Nagelstylistin auch noch ihren Sitz im Aufsichtsrat wahrzunehmen. Wen wundert es da, dass inzwischen der Ruf laut wird, man müsse mehr für benachteiligte Jungs tun. Richtig! Bald 20 % von ihnen schaffen keinen Schulabschluss und hängen vorm Unterschichtenfernsehen oder bei Ballerspielen am Computer ab. Warum wohl? Weil Mama ständig im Blitzlichtgewitter steht und sich selbst verwirklichen will. Nackte Haut auf Autoblech macht sich prima, immer und überall, das emanzipierte Selbstbild der modernen Frau! Selbstvergessene Mütter denken nur noch an ihre Karriere und übergeben die Blagen der staatlichen Erziehung und den Tafeln. So kriegen die wenigstens ab und zu einmal Zuwendung und etwas Warmes. – (Ende der Satire)
Bischof Mixa bringt es auf den Punkt: “Wenn ich geweint habe, dann war die Mutter da.” Sie hat ihn vermutlich auch zum Schulabschluss getrieben und dafür gesorgt, dass er sich der bösen Welt enthält. Wie segensreich das unkontrollierte Einzelpampern war, wird allerdings bei manchen seiner Thesen, mit denen er uns die Welt zu erklären versucht, offenbar. – Ein weiteres Fossil und Muttersöhnchen, Trigema-Chef Wolfgang Grupp, schließt sich nahtlos an: „Die echte Mutter verdient lieber weniger und widmet sich mit Hingabe den Kindern.“ Wer vermutet, der Spruch stammt aus einem Familienratgeber der 1930er Jahre, “die Frau als Hüterin der Innenwelt”, irrt schwer. Grupp verbreitet sich bei Christiansen (ARD) im Jahre 2010: „Heirat und Gründung einer Familie sind für Frauen die Basis ihres Lebens.” Und damit Frauen sich nicht langweilen, gibt es bei Trigema spezielle Abendschichten für die Frauen, „damit die tagsüber die Männer, äh, Kinder betreuen können“.
Alice Schwarzer hat Unrecht. Wir brauchen den Frauentag – und sei es nur als Symbol. Wir haben noch nicht fertig!
Tags: AliceSchwarzer, Frauentag, Gleichberechtigung, Mixa