Ideologischer Denkmalschutz ist kein Denkmalschutz!

Als in den 90er Jahren das denkmalgeschützte  “Ahornblatt” in der Gertraudenstraße in Berlin abgerissen wurde, um ein paar tausend Quadratmetern Verkaufsfläche – ganz dringend benötigt!  – Platz zu machen,  habe ich das noch für eine vereinzelte Fehlentscheidung der Behörde gehalten. – Da sitzen ja auch Menschen, die Fehler machen können.

Als beschlossen wurde, den Palast der Republik abzureißen, war ziemlich klar, Entscheidungsgrund war nicht die angebliche Verseuchung mit asbesthaltigem Beton.  Würde sonst das hässliche  ICC noch stehen?

Inzwischen hat sich der nicht auszuräumende Verdacht breit gemacht, das Ganze hat Methode.  Schön, es gibt eine Denkmalschutzbehörde. Auch das Gästehaus der DDR-Regierung am Schloss Schönhausen steht z.B. unter Denkmalschutz.

Was daraus geworden ist, kann man hier besichtigen:

Gästehaus der DDR-Regierung

Zum Glück wollen die neuen Eigentümer zumindest einem Teil des Gebäudes das ursprüngliche Gesicht zurückgeben. Das ist aber nur ein kleiner Trost, weil diese Bemühungen nur Bemühungen einzelner Idealisten sind.

Wehe, es baut in Rothenburg ob der Tauber jemand Fenster aus Kunststoff in sein Fachwerkhäuschen ein. Dann werden die Behörden munter. Östlich der Elbe wird mit anderem Maß gemessen.  Bei DDR-Architektur und Kunst am Bau in den östlichen Bundesländern darf man landauf, landab dem Verfall zuschauen – Denkmalschutz hin oder her, es kratzt niemanden.

Vor  allem in der Klimadiskussion und der Frage, Atomkraft ja oder nein danke, hört man stets  das große Zetern,  doch sachlich und ideologiefrei mit dem Thema umzugehen. Beim repektlosen Umgang mit Kulturgut der DDR  hört man davon nichts. Hier entscheiden Politiker, Denkmalschützer, Bauämtern etc. ideologisch, indem sie wegschauen,  dem Verfall preisgeben, erhaltenswerte, oft einmalige Ensemble deutscher Baukunst nicht schützen wollen.

Die DDR ist als Staat und Gesellschaftssystem verschwunden. Mauer und Stacheldraht sind weg. Manche Entscheider scheinen aber auf Nummer sicher gehen zu wollen. Man könnte glauben, selbst dingliche Artefakte flößen ihnen eine Heidenangst ein. Sie werden nicht ruhen, bis das Wort “DDR” einzig und allein mit “Diktatur” assoziiert wird und jede Erinnerung an in 40 Jahren unter schwierigsten Bedingungen von Menschen Geleistetes getilgt ist. – Und so bauen sie emsig an einer neuen  Mauer – der Mauer in den Köpfen.

Fachleute setzen sich auseinander:  Denkmal oder Altlast?

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