"Werktätige bauen sich ein eigenes Urlauberschiff"

Als die kleine Informations- und Agitationsbroschüre (aus der hier verwendetes Bild- und Textmaterial entnommen ist), 1960 anlässlich eines Beschlusses des V. Parteitags der SED, ein FDGB-Urlauberschiff zu bauen, entstand, gab es noch keine Idee, welchen Namen das stolze Schiff, das "als Künder des neuen und besseren, des ersten sozialistischen Deutschlands fremde Häfen anlaufen und neue Bande der Völkerfreundschaft knüpfen" sollte, tragen wird.
Auszug aus der Informationsbroschüre:
"Wir bauen es nicht, damit es samt der Deutschen Demokratischen Republik von einem NATO-Westdeutschland geschluckt wird, in den Besitz imperialistischer Schiffseigner übergeht und wie die als KdF-Schiffe getarnten - von Anfang an für Kriegszwecke gebrauchten Schiffe - als Truppentransporter auf dem Meeresboden versinken.
Unser Schiff wird ein Schiff des Friedens ..."
Nun baut sich ein 7000-Tonnen-Fahrgastschiff nicht einfach mal eben neben dem Plan.
Viele Betriebe waren (oder wurden) beteiligt.
"Spenden werden auf das Sonderkonto Urlauberschiff, Deutsche Notenbank Berlin, Nr. 8520, überwiesen.
Mit dem Reichtum unserer Gedanken und dem Fleiß unserer Hände bauen wir mit den Werktätigen der Mathias-Thesen-Werft über den Plan hinaus das erste Urlauberschiff.
Der Kauf der Solidaritätsmarkten des FDGB unterstützt ebenfalls diese große Sache. Beteiligt euch alle an dieser Solidaritätsaktion!"
Die Bevölkerung spendete 30 Millionen Mark.
Am 28. November 1959 fand die Kiellegung statt und am 25. Juni 1960 lief die "Fritz Heckert" in Rostock vom Stapel.

"Ein Bummel durch die Salons und Gesellschaftsräume
Beginnenwir mit der Empfangshalle (100 qm), deren leicht geschwungene Treppen sich in das Gesamtbild gut einfügen und uns mit dem II. Deck und Bootsdeck verbinden oder durch deren große gläserne Pendeltüren der Salon (240 qm) und das Café (190 qm) erreicht werden können."
Im Salon findet sich eine Tanzfläche, ein Musikpodium, im Café eine Bar, im Oberdeck der große Speisesaal, der auch für Kinoveranstaltungen genutzt wird. Ferner finden sich Skat-, Schach- und Lesezimmer, eine Bibliothek, eine kleine Ladenstraße, ein Lazarett mit Ambulanz und OP-Raum, ein geschlossenes und ein Freischwimmbad und Salons für Damen- und Herrenfriseur und eine mit Liegestühlen ausgestattete Promenade auf dem Hinterteil des Oberdecks mit einer Ausstellung bildender Künstler.

" Die Fahrgastkabinen: Unser Urlauberschiff wird als Einklassenschiff gebaut. Damit ist gleichzeitig gesagt, dass allen Fahrgäste alle Bequemlichkeiten zur Verfügung stehen und eine gleichmäßig gute Unterbringung in den Kabinen erfolgt."
"Neben Waschbecken, Tisch, Sitzgelegenheit, Kleiderschrank und Koje erhalten die Kabinen ein Telefon, damit die Fahrgäste im Hafen über das allgemeine Fernsprechnetz und auf See untereinander jede gewünschte Verbindung herstellen können."
(Die "Fritz Heckert" lief vor Mauerbau und damit weitestgehender Abschottung gegen den Westen vom Stapel)
"Auf einem sozialistischen Schiff wird natürlich auch die Besatzung so untergebracht werden, dass sie sich an Bord des Schiffes heimisch fühlen kann."
Quelle: VEB Ratsdruckerei Dresden III/9/3 259 2450 Ag 219/93/59 DDR
Hier finden sich
viele weitere Einzelheiten zum Urlauberschiff "Fritz Heckert" -
von der Kiellegung,
über den Stapellauf
bis zu seinen Reisen.