Geschichte des Wandbildes
In der zweiten Hälfte der 70er Jahre errichtete das Volkseigenen Gut (VEG) „Walter Schneider“ mehrere Wohnhäuser für seine Mitarbeiter im Ortsteil Helfta am Rande der Lutherstadt Eisleben.
Um den Ministerratsbeschlüssen der DDR zu Kunst am Bau zu entsprechen, wurde für die Giebelseite eines der Dreigeschosser ein Wandbild in Auftrag gegeben, das das Leben und die mühsame Arbeit der Obstbauern am Süßen See zeigen sollte.
Mit dem Entwurf wurde der renommierte Künstler Wilhelm Schmied beauftragt.
„Die gesamte Belegschaft durfte damals bei einer Versammlung in unserem Klubhaus über den Entwurf, der auf einer riesigen Pergamentrolle aufgezeichnet war, diskutieren“, so der ehemalige Hauptbuchhalter des VEG „Walter Schneider“ (Mansfelder Zeitung vom 30.09.99).
Der Entwurf wurde auf 189 Stahlplatten übertragen. In der Thaler Werkstatt der früheren Hochschule für Industrielle Formgestaltung „Burg Giebichenstein“ wurden die Platten von dem Spezialisten Prof. Willi Neubert nach einem von ihm entwickelten besonderen Verfahren mit Emaillefarben gebrannt.
Die Platten waren mit einer mit der Wand verschraubten Holz-Lattenkonstruktion verbunden. Jedes Teil wurde mit vier Schrauben gesichert.
Das Anbringen des Wandbildes gestaltete sich schwieriger als erwartet, berichtete Dr. Hans-Joachim Meyer aus Seeburg, der jahrelang Betriebsarzt im VEG und auch der Hausarzt von Wilhelm Schmied war. Denn es sei damals gar nicht so einfach gewesen, ein Gerüst zu besorgen.
Die Wohnblocks wurden nach der Wende von der Treuhand Liegenschaftsgesellschaft übernommen und sollten 1999 saniert und wärmegedämmt werden. Ein nochmaliges Anbringen der Haltekonstruktion war, auch wegen der Bildung von Kältebrücken, danach nicht mehr möglich.
Das Schicksal des Wandbildes schien besiegelt.
Eislebens Kulturamt hatte schon einmal tatenlos zugesehen, dass ein Wandbild Wilhelm Schmieds, das die Eislebener Schwimmhalle zierte, abgebrochen und dabei schwer beschädigt worden war. Und so gibt es leider unzählige traurige Beispiele für den gedankenlosen Umgang mit dem "Straßengesicht" der DDR.
Wir hatten das Wandbild 1998 auf einer unserer Fahrten entdeckt. Mit viel Glück und nach langwierigen Verhandlungen konnten wir es buchstäblich im letzten Augenblick ohne Schäden abnehmen und in unsere Sammlung integrieren.
Wir danken Herrn Kaiser, BGI Immobilien, Aschersleben, sowie Herrn Schmidt und Herrn Scherlies von der Treuhand Liegenschaftsgesellschaft Magdeburg für ihre freundliche Unterstützung.
