Für heutige Empfindlichkeiten eine etwas makabre Darstellung zweier lebendiger Schildkröten in der Suppentasse.

 

Schildkröte

1960 - Titelseite "Zeit im Bild"

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Kuriositäten, Merkwürdigkeiten, Skurriles

 

Schildkrötensuppe aus Dresden

 

So farblos und eintönig, wie manch einer sich vorstellt, war die kulinarische Welt des Sozialismus nun auch wieder nicht! Zwar gab es manches oft nicht oder nur unter dem Ladentisch, einiges nur gelegentlich und anderes in nur kleinen Mengen. Zeitweilig konnte man Krebsfleisch in Konserven kaufen, die aus der Sowjetunion (Kamtschatka) kamen, oder schon 1962 Dosen-Ananas in allen Varianten und Langusten aus dem gerade sozialistisch gewordenen Kuba. Schwarzer Fischrogen kam seit 1967 von FRIEDRICHS aus der BRD in den bekannten kleinen runden Gläschen, später im DELIKAT verkauft, wo auch frische Datteln aus Afrika und zu Weihnachten sogar in normalen Kaufhallen Kokosnüsse, Feigen und rumänische Weintrauben in Gläsern angeboten worden waren. 

 

... und dann gab es noch die exotische Produktserie des VEB EXZELLENT in Dresden, der nicht nur eine „TrePang-Suppe" nach chinesischem Rezept, sondern auch Haifischflossen-Suppe, eine so genannte „Schwalbennester-Suppe" und Känguruschwanz-Suppe vor allem für den Export kreiert, aber auch der DDR-Kundschaft angeboten hatte.

 

1976 - Produktwerbung: "MAGAZIN"

 

Als kulinarische Krönung galt allerdings die schon 1960 nach dem Intensivieren der Handelsbeziehungen zum sozialistischen Nord-Vietnam auf den internationalen Markt gebrachte SCHILDKRÖTEN-Suppe, die erstmals auf der Leipziger Herbstmesse 1960 und hernach auf der Titelseite der Dresdner Illustrierten „ZEIT im BILD" Nr. 45 vom November gleichen Jahres vorgestellt wurde. Die runde Flachdose war mit blau-golden glänzendem Luxus-Etikett ausgestattet und in erster Linie für ausländische Messegäste gedacht gewesen.

 

Im Nu hatte man 10.000 Dosen und dazu passende goldrandige Suppentassen verkauft, die immense Nachfrage jedoch nicht restlos befriedigen können. So mussten weitere Lieferungen des späterhin wohl rarer werdenden Schildkrötenfleisches aus Vietnam angefordert und im Handelsabkommen vereinbarte Maschinenlieferungen erfüllt werden.

 

Bis Ende der 70er Jahre gab es die exotischen Dosensuppen und auch die Schildkrötensuppe aus Dresdner Produktion noch, ehe das Washingtoner Artenschutzgesetz auch der weiteren Verarbeitung von Schildkrötenfleisch in der DDR ein Ende bereitete.

 

VEB

Autor:

 

Jürgen Hartwig

(Verein zur Dok. der DDR-

Alltagskultur e.V.)

 

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